Fährst du über die holländische Landesgrenze, wirst du dies kaum merken. Auch in Holland fährt man rechts und Passkontrollen gibt es schon lange nicht mehr. Die Benutzung der Straßen ist für PKW und Wohnwagen komplett kostenlos (keine Maut o.ä.).

Genau wie in Deutschland gibt es auch in Holland viele Verkehrsregeln und einen langen Bußgeldkatalog. Um deinen Urlaub nicht mit bösen Überraschungen zu beginnen, haben wir nachfolgend 10 Fakten zusammengestellt, die du über das Autofahren in Holland wissen solltest.

#1 Hollands Straßennetzwerk

Das holländische Straßennetz ist gut ausgebaut und unterhalten. Autobahnen sind im ganzen Land ausreichend vorhanden. Kreisverkehre gibt es reichlich, in großen Städten sind oft mehrspurig.

Autofahren in Holland
Autofahren in Holland: Blaue Schilder auf der Autobahn

#2 Polizei- und Grenzkontrollen

Zwar stehen mancherorts noch ein paar Grenzhäuschen, diese sind aber oft zu kleinen Geschäften umfunktioniert. Nichtsdestotrotz siehst du im Grenzbereich auf beiden Länderseiten Polizeifahrzeuge, die für stichprobenartige Drogenkontrollen und Einreisekontrollen parat stehen.

Die Wahrscheinlichkeit, direkt hinter der Grenze kontrolliert zu werden, ist höher als im Landesinneren. Damit bei einer Kontrolle nichts schief läuft, solltest du ein paar Dinge beachten. Deinen Führerschein und die Fahrzeugpapiere musst du stets im Original mitführen. Die gedruckte Version der Grünen Versicherungskarte ist bei EU-Reisen nicht mehr erforderlich. Auch in den Niederlanden ist das Mitführen eines Verbandkastens sowie Warndreiecks Pflicht.

#3 Höchstgeschwindigkeit

In geschlossenen Ortschaften gilt 50, außerhalb 60 oder 80 (je nach Art der Straße). Auf den Landstraßen (N-wegen) beträgt die Höchstgeschwindigkeit zwischen 80 und 100. In 2020 wurde ein neues Tempolimit für Autobahnen eingeführt. Hier gilt nun: von 6 Uhr bis 19 Uhr max. 100 km/h, nachts 120 km/h (wenn Schilder nichts anderes vorschreiben). Eine Besonderheit auf holländischen Autobahnen ist die sogenannte Trajectcontrole. Hierbei handelt es sich um eine Streckenkontrolle, die deine Durchschnittsgeschwindigkeit auf bestimmten Streckenabschnitten erfassen. Mit mobilen Blitzern musst du überall rechnen: in geschlossenen Ortschaften, auf Landstraßen und Autobahnen.

An diese Tempolimits solltest du dich halten, wenn du kein Geld zu verschenken hast. Geschwindigkeitsübertretungen sind in Holland um ein Vielfaches teurer als in Deutschland. Auch die Niederlande kennt das Punktesystem bei Verstößen, jedoch können diese nur für Inhaber eines niederländischen Führerscheins angewandt werden. Keine Sorge um Strafpunkte für Flensburg auf deinem deutschen Führerschein.

#4 Ampeln

Ampeln schalten von Rot direkt auf Grün. Eine Zwischenphase gibt es nicht. Anders sieht es aus, wenn die Ampel von Grün nach Rot schaltet – hier gibt es ebenfalls ein gelbes Licht. Viele Ampeln, besonders an großen Kreuzungen, haben Kameras. Beachte, dass diese Kameras gleich zwei Funktionen haben. Sie messen sowohl, ob du bei Rot gefahren bist als auch deine Geschwindigkeit. Trete in Holland also nicht zu hart aufs Gas, wenn du eine gelbe Ampel siehst.

#5 Bodenwellen

Zur Verkehrsberuhigung in Dörfern und auf Nebenstraßen (wo ein Tempolimit von bis zu 60 km/h gilt) hat der kluge Holländer unzählige Bodenwellen, die sogenannten Drempel, auf die Straße gebaut. Manche sind eher flach, andere können durchaus die Stoßdämpfer und Achsen angreifen, wenn du zu schnell fährst. In fast jedem kleineren Ort findest du zur Begrüßung und zum Abschied eine dieser Bodenwellen, die du möglichst langsam überfahren solltest. Besonders auf Verbindungsstraßen in ländlichen Gebieten mit Höchstgeschwindigkeit 60 km/h sind reichlich Drempel zu finden. Der Zweck heiligt aber die Mittel: Raserei wird effektiv reduziert, besser als mit hinderlichen Blumenkübeln am Straßenrand.

#6 Radfahrer

In Holland ist der Radfahrer der König der Straße. Zwar benehmen sich nicht alle Radfahrer königlich, bei einem Unfall bekommt jedoch in den meisten Fälle der Radfahrer Recht und der Autofahrer hat das Nachsehen. Auch wenn vor dir eine Gruppe Radfahrer gemütlich zu dritt nebeneinander fährt und weit über die Grenzen des Radweges hinausschießt: Übe dich in Geduld, hupe und schimpfe nicht, es bringt nichts.

In vielen Städten ist es ratsam, das Auto außerhalb zu parken und den Ort auf typisch holländische Art mit dem Fahrrad zu erkunden. Viele Orte bestehen aus engen, historischen Gassen; nicht überall ist Raum für Parkplätze oder Tiefgaragen. Radfahren in Holland macht zudem Spaß. Hügel gibt es in den meisten Teilen des Landes beinahe nicht. Radwege sind gut ausgebaut und reichlich vorhanden.

#7 Verhalten beim Verkehrsunfall

Kommt es während deines Aufenthalts zu einem Verkehrsunfall, muss die Polizei nur zwingend verständigt werden, wenn Personen verletzt wurden oder ein erheblicher Sachschaden entstanden ist. Mache bei kleineren Sachschäden aber auf jeden Fall Beweisfotos und fülle gemeinsam mit deinem Unfallgegner das Europäische Schadensformular (Unfallbericht) aus, um dich abzusichern.

#8 Alkohol am Steuer

In Holland gilt eine Höchstgrenze von 0,5 Promille am Steuer. Für Fahranfänger in den ersten fünf Jahren nach Führerscheinerwerb sowie für Mopedfahrer bis 24 Jahre gilt 0,2 Promille.

#9 Bußgelder und Punkte

Das holländische Punktesystem findet auf einen deutschen Führerschein keine Anwendung, sehr wohl aber der allgemein gültigen Bußgeldkatalog. Die Strafen für Verkehrsübertretungen sind empfindlich hoch und werden ab der Bagatellgrenze von € 70 auch im Ausland eingetrieben. Nachstehend ein Auszug aus dem niederländischen Bußgeldkatalog:

Quelle: Openbaar Ministerie. Stand Januar 2021

#10 Panne

Auch in Holland siehst du die bekannten gelben Abschleppwagen fahren: In Deutschland ist es der ADAC, in Holland ist es der ANWB. Sinnvoll ist vor jeder längeren Reise ins Ausland eine Absicherung für den Notfall, egal, bei welcher Gesellschaft. Schnell ist ein Unfall passiert und dein Auto nicht mehr fahrtüchtig. Oder der Motor versagt mitten im Nirgendwo. Neben den Gelben gibt es zahlreiche Abschleppunternehmen, die dein Auto professionell zur nächsten Werkstatt, oder, je nach Versicherung, bis vor deine Haustür transportieren.

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